Blutegeltherapie, was ist das?

Bei der Blutegeltherapie spricht man von einem sogenannten ausleitendem Heilverfahren. Im Vordergrund stehen die Beseitigung von lokalen Fülle-, Stauungs- und Schmerzzuständen aufgrund eines Blut – und Lymphödems.

Diese Ausleitng wird durch die Hilfe eines auf der Hautoberfläche angesetzen Blutegels erreicht. Die vom Blutegel injezierten Wirkstofee wirken darüber hinaus entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Geschichte der Blutegeltherapie

Blutegel werden schon seit vielen tausend Jahren zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Da die Behandlung mit Blutegeln in den letzten Jahrhunderten massiv betrieben wurde, verschwanden die Blutegel und damit auch diese Heilmethode eine lange Zeit fast vollständig aus dem mitteleuropäischen Raum.

Heute gibt es speziell für den medizinischen Bereich gezüchtete Egel, die mit immer größer werdender Beliebtheit aufgrund erfolgreicher Behandlungen in den Bereichen der Replantationschirugie, venösen Erkrankungen und bei Erkrankungen des Bewegungsappartates eingesetzt werden.

Wann ist Sie einsetzbar?

Hauptindikationen:

Erkrankungen des Bewegungsapparats:
schmerzhafte Gelenkarthrosen, v.a. Kniegelenksarthrosen, Sprunggelenks-arthrosen, rheumatische Erkrankungen

Venöse Erkrankungen:
akute Thrombophlebitis, variköser Symptomenkomplex, post-thrombotisches Syndrom (mit begleitenden Stauungsschmerzen)

Sonstige Indikationen:

Herpes Zoster (Gürtelrose), akute und chronische Otitis media (Mittelohr- entzündung), arterielle Hypertonie bei erhöhtem Hämatokrit, Hämorrhoidal- syndrom und (Peri-) Analthrombose, akuter Gichtanfall, akute und chronische Osteomyelitis, Hämochromatose (als Aderlass), Wundheilungsstörungen durch postoperativen Lymph- und venösen Rückstau in der Traumatologie (z.B. Handchirurgie) und plastischen Chirurgie.

Wann darf eine Blutegeltherapie nicht durchgeführt werden (Kontraindikationen)?

  • Hämorrhagische Diathesen bzw. Hämophilie („Bluterkrankheit“), sowie Blutgerinnungsstörungen durch Medikamente (z.B. Marcumar®, Falithrom®, Comadin®) oder verminderten Blut-plättchen (Thrombozytopenie) u.a.
  • Hauterkrankungen an der Applikationsstelle
  • Akute Magen- oder Darmgeschwüre
  • Deutliche Blutarmut (Anämie, Hb unter 10 g/dl)
  • Erheblicher Immunschwäche (AIDS, Chemotherapie, etc.)
  • Schwere chronische Erkrankungen (Krebserkrankungen im fort-geschrittenen Stadium, langjährige Dialyse bei Nierenerkrankungen, etc.)
  • Fortgeschrittene periphere Gefäßerkrankungen (pAVK ab Stadium III)
  • Ausgeprägten Wundheilungsstörungen (z.B. bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus, erheblichem Übergewicht, etc.)
  • Bekannte Allergien gegen Blutegel-Inhaltsstoffe (Hirudin, Histamin, etc.)

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Relative Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen:

  • Bei Neigung zu überschießender Narbenbildung (Keloidbildung) keine Anwendung an gut sichtbaren Körperstellen
  • Aspirin® sollte 5-10 Tage vor einer Behandlung nach Rücksprache mit dem Arzt nicht eingenommen werden

Ist die Blutegeltherapie schmerzhaft, gibt es Nebenwirkungen?

Der Biss eines Blutegels ist nicht sonderlich schmerzhaft. Allenfalls werden die Bisse wie „Brennesselstiche“, Insektenstiche, leichtes Ziehen oder als „Spritzeneinstich“ beschrieben. Das ist auch logisch, denn der kleine Sauger hat in der freien Natur wenig Interesse daran bemerkt und abgeschüttelt zu werden.

 

Der Blutegelspeichel enthält einen einzigartigen Wirkstoffcocktail aus ca. 30 verschiedenen Substanzen (u.a. Hirudin, Calin, Hyaluronidase, Eglin, Bdellin, Apyrase, Kollagenase, Destabilase, Hämentin, Orgelase) von denen allein eine histaminähnliche Substanz im weiteren Verlauf zu einem leichten „Heiljucken“ wie bei einem „Mückenstich“ führen kann.

Mögliche seltene Nebenwirkungen oder Komplikationen:

  • Ausgeprägte Blutung (verlängerte und starke Nachblutung)
  • Juckende Hautrötung um die Bissstellen (allergisch oder allergie-ähnlich)
  • Wundinfektion (z.B. Erysipel)
  • Vorübergehender Gelenkerguss, lokale Schwellung, oder regionale Lymphknotenschwellung.
  • Pigmentstörungen, Vernarbungen an der Bissstelle, kleine Papel an der Bisstelle

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